Bezirksregierung untersagt Wasserentnahme aus der Ems
Münster. Um Tiere und Pflanzen zu schützen, untersagt die Bezirksregierung Münster die Wasserentnahme aus der Ems auf den Gebieten der Kreise Steinfurt und Warendorf und der Stadt Münster.
Das Verbot gilt ab Samstag, den 04.07.2026, für die Entnahme von Wasser mittels mechanischen oder elektrischen Pump- und/oder Saugvorrichtungen oder fahrbaren Behältnissen im Rahmen des erlaubnisfreien Gemeingebrauchs und des erlaubnisfreien Eigentümer- und Anliegergebrauchs. Hiervon ausgenommen sind das Tränken von Vieh und das Schöpfen mit Handgefäßen.
Die Verfügung wird zunächst, basierend auf der aktuellen Wetterprognose, bis zum Ende der Vegetationsperiode befristet. Mit dem wahrscheinlichen Ende länger andauernder Trockenperioden etwa ab Oktober wird die Ems voraussichtlich wieder ausreichend Wasser führen. Die Bezirksregierung Münster wird fortlaufend prüfen, ob eine Aufhebung oder Änderung dieser Allgemeinverfügung vorab geboten ist.
Die Einhaltung der Untersagung der Wasserentnahme wird überwacht. Eine Zuwiderhandlung gegen diese Allgemeinverfügung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden.
Hintergrund
Aufgrund der klimatischen Bedingungen haben sich in der Ems im Gebiet des Regierungsbezirkes Münster niedrige Wasserstände eingestellt. Das für Fische, Kleinstlebewesen und Pflanzen lebensnotwendige Wasserdargebot (Wassermenge, Wassertiefe) ist daher bereits beeinträchtigt und es besteht die Gefahr, dass die Gewässerbiozönose nachhaltig geschädigt wird. Die erlaubnisfreie und behördlich nicht regulierte Entnahme von Wasser im Rahmen des Gemeingebrauchs und des Eigentümer- und Anliegergebrauchs aus der Ems verstärken die bereits kritische Situation.
Die vollständige Allgemeinverfügung finden Sie hier:
Die öffentliche Bekanntmachung im Amtsblatt der Bezirksregierung Münster vom 03.07.2026 finden Sie unter folgendem Link:
Aktuelle hydrologische Situation im Regierungsbezirk Münster: Grundwasser stabil – Oberflächengewässer zunehmend unter Druck
Die anhaltend hohen Temperaturen und ausbleibenden Niederschläge wirken sich zunehmend auf die Gewässer im Regierungsbezirk Münster aus. Während sich die Grundwassersituation derzeit insgesamt noch vergleichsweise stabil darstellt, geraten insbesondere Flüsse und Bäche zunehmend unter Druck. Die Bezirksregierung Münster beobachtet die Entwicklung fortlaufend und stimmt notwendige Maßnahmen eng mit den Kreisen und kreisfreien Städten ab.
Grundwasser weiterhin auf stabilem Niveau
Die Auswertung der Messstellen des Landesgrundwasserdienstes zeigt, dass sich die Grundwasserstände im Regierungsbezirk Münster überwiegend im Bereich des langjährigen Mittels der vergangenen 30 Jahre bewegen. Damit liegen sie weiterhin deutlich über den außergewöhnlich niedrigen Werten der Trockenjahre 2018 bis 2020.
Möglich wurde diese Entwicklung insbesondere durch die niederschlagsreichen Jahre 2023 und 2024, in denen sich die Grundwasservorräte spürbar erholen konnten. Trotz einer vergleichsweise geringen Grundwasserneubildung im Winterhalbjahr 2025/26 ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu erwarten, dass die Wasserstände im Laufe dieses Sommers die extremen Tiefststände des Jahres 2019 erreichen. Regional können jedoch – abhängig von den jeweiligen geologischen Verhältnissen – Unterschiede auftreten.
Bodenfeuchte reagiert deutlich schneller
Von den Grundwasserständen zu unterscheiden ist die Bodenfeuchte, die insbesondere für Landwirtschaft und Vegetation von Bedeutung ist. Nach Angaben des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung weist der Oberboden im Regierungsbezirk derzeit noch vergleichsweise günstige Wassergehalte auf. Ein ausgeprägter Trockenstress für Pflanzen besteht deshalb aktuell vielerorts noch nicht.
Allerdings reagiert insbesondere der Oberboden bis etwa 25 Zentimeter Tiefe sehr empfindlich auf längere Hitze- und Trockenperioden und kann bei entsprechenden Witterungsbedingungen innerhalb kurzer Zeit in einen Zustand zunehmender Austrocknung übergehen. Nach Einschätzung des Helmholtz-Zentrums befindet sich die Region derzeit am Beginn einer sich entwickelnden Trockenphase.
Sinkende Wasserstände in Flüssen und Bächen
In den Fließgewässern im Regierungsbezirk Münster herrschen aktuell niedrige bis mittlere Wasserstände, die aber aufgrund der hohen Temperaturen und ausbleibender Niederschläge weiter kontinuierlich sinken.
Als bereits angespannt ist die Situation an der Bocholter Aa und der Ems zu bezeichnen. An Gewässern wie der Dinkel, Berkel oder Issel herrschen aktuell noch etwas günstigere Abflusszustände. Aber auch hier sind sinkende Wasserstände zu verzeichnen.
Dass sich die Lage bislang nicht weiter verschärft hat, ist vor allem auf die ergiebigen Niederschläge im Mai zurückzuführen. Sie sorgten zunächst für vergleichsweise gute Wasserstände, bevor die Witterung im Juni ein vorerst moderates Absinken der Wasserstände nach sich zog. In Abhängigkeit von den Niederschlagsverhältnissen in den kommenden Tagen können allerdings schnell kritische Abflusszustände erreicht werden.
Hohe Gewässertemperaturen belasten die Ökosysteme
Die Gewässertemperaturen werden durch das LANUK NRW überwacht und sind über LANUV - Hydrologische Messdaten Online einsehbar. Zu Beginn der Woche (29.06.2026) wurden infolge der Hitzewelle an nahezu allen Messstellen im Regierungsbezirk die für Gewässer festgelegten Temperaturhöchstwerte überschritten. Im Laufe der Woche sanken die Temperaturen in den Gewässern wieder ab und liegen nun deutlich unter den Temperaturhöchstwerten.
Steigende Wassertemperaturen belasten Tiere und Pflanzen in den Gewässern zusätzlich und können den Sauerstoffgehalt des Wassers verringern.
Bezirksregierung und Kreise bereiten Schutzmaßnahmen vor
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung wurden bereits erste wasserwirtschaftliche Maßnahmen eingeleitet. Der Kreis Borken erließ zum 01.07.2026 eine Allgemeinverfügung, mit der Wasserentnahmen aus der Bocholter Aa und ihrem Einzugsgebiet untersagt werden. Die Entscheidung wurde mit der Bezirksregierung Münster abgestimmt.
Auch die Bezirksregierung Münster untersagt ab morgen (04.07.) die erlaubnisfreie Wasserentnahme aus der Ems.
Die Bezirksregierung Münster überwacht gemeinsam mit der zuständigen Fachbehörde die Entwicklung der Gewässertemperaturen