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Schulpsychologe Dr. Sascha Borchers (Regionale Schul­beratungs­stelle Borken), Dr. Kordula Piontkowski (Fachärztin für Arbeits­medizin, BAD GmbH), Schul­abteilungs­leiter Wolfgang Weber (Bezirksregierung Münster), Dietmar Schirrmacher (Polizeipräsidium Reckling­hausen), Ralf Rooseboom (Referent psycho­soziale Gesundheit bei der Unfallkasse NRW) Angelika Dopp, Bezirksregierung Münster (Generalistin für Arbeits- und Gesundheits­schutz für Lehrerinnen und Lehrer und Personal­dezernentin für Haupt- und Realschulen) © Bezirksregierung Münster


15.09.2017
Gewalt gegen Lehrkräfte – Hilfe und Prävention

Bezirksregierung und Expertenteam stellen Broschüre vor

Münster. Gewalt gegen Lehrkräfte – Wie können Betroffene sich besser dagegen wappnen? Gewalt in Schulen ist nicht nur schulintern, sondern auch in der Öffentlichkeit ein heikles Thema. Zum Opfer gewalttätigen Verhaltens werden leider auch immer wieder Lehrkräfte, Sekretärinnen, Hausmeister und andere Beschäftigte in den Schulen.

Umfragen zeigen, dass die Belastung einzelner Lehrerinnen und Lehrer im schulischen Alltag durch aggressive Übergriffe hoch ist. Die Situationen sind vielfältig: Die berichteten Vorfälle reichen von der Schlichtung einer Schulhof-Streiterei, bei der eine Hand an der falschen Stelle landet, über (Online-)Drohungen und Sachbeschädigung, beispielsweise am Auto der Lehrkraft, bis hin zu direkter körperlicher Gewalt. Angriffe erfolgen durch aggressive Kinder und Jugendliche, Eltern oder schulfremde Personen.

Konkrete Statistiken zur Gewalt gegen Lehrkräfte gibt es abgesehen von den Ergebnissen aus den COPSOQ- und Forsa-Umfragen kaum. Für viele Betroffene und Zeugen ist Gewalt gegen Lehrkräfte häufig noch ein Tabu-Thema, oft wird über das Erlebte eher schamhaft geschwiegen, sodass auch von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden muss. Viele Betroffene sind zudem sehr unsicher, welche Reaktionsmöglichkeiten sie unter rechtlichen Gesichtspunkten haben. Wie dürfen sie im Konfliktfall etwa körperlich eingreifen? Wie umgehen mit Cyber-Attacken?

Formen von Gewalt nennen am häufigsten die Lehrer an Förderschulen, vergleichsweise selten hingegen die Lehrer an Gymnasien. Lehrkräfte an Förderschulen sagen deutlich mehr als andere Lehrkräfte, dass es an ihrer Schule in den letzten fünf Jahren Fälle psychischer Gewalt gab oder sie selbst von solchen Angriffen betroffen waren.

Praxis­orientierte Hand­reichung

Gewalt

© Bezirksregierung Münster

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Damit sich Betroffene besser gegen Über­­griffe wappnen und mit den Folgen um­gehen können, hat die Bezirks­regierung Münster die Broschüre „Gewalt gegen Lehr­kräfte“ auf­gelegt. In der praxis­orien­tierten Hand­­reichung, die Schul­abteilungs­­leiter Wolfgang Weber heute (Freitag, 15. September) in Münster gemein­sam mit den Autoren und weiteren Fach­leuten vorge­stellt hat, werden typische Fälle von aggressivem Verhalten ge­schildert. Die Fach­leute geben Handlungshilfen für den akuten Fall, nehmen eine rechtliche Ein­ordnung vor, be­schreiben Maß­nahmen der Inter­vention und Mög­lich­keiten zur Prävention. Gewalt gegenüber Einzelnen gilt immer auch als Angriff auf die Institution Schule.

„Die Handreichung will Betroffenen und Schulleitungen eine schnelle Orientierung geben, um Handlungs­sicher­heit herzustellen und so konkret wie möglich Hilfen anzubieten“, brachte Weber die Ziele auf den Punkt. „Wir möchten die Lehrer und Lehrerinnen unterstützen, damit sie die Heraus­forderungen des Lehrer­berufs noch besser meistern können. Zugleich wollen wir dazu beitragen, der weiteren Aus­breitung von Gewalt in unseren Schulen entgegen­zuwirken und arbeits­bedingte Gesundheits­gefahren zu verhüten.“

Die Broschüre ist das Ergebnis der Zusammen­arbeit einer interdisziplinären Arbeits­gruppe mit Vertretern aus dem Arbeits- und Gesundheits­schutz, der Unfallkasse NRW, der B∙A∙D Gesundheits­vorsorge und Sicherheits­technik GmbH, Schulpsychologen, Förderschul­pädagogen, Polizei und Personalrat. Die Handreichung ist eine vollständige Neubearbeitung der bereits im Jahr 2005 veröffentlichten gleichnamigen Broschüre.
Die Intervention und verschiedene Gewalt­formen stehen im Mittelpunkt der Betrachtungen. In weiteren Kapiteln werden gesetzliche Grund­lagen, Aufsichts­pflicht und Erziehungs­auftrag, das Stellen von Straf­anträgen und Aspekte des Rechts­schutzes sowie die Einordnung als Dienst- oder Arbeits­unfall erläutert. Den Abschluss bilden das Kapitel „Prävention“ sowie eine kommentierte Link­sammlung mit weiteren Informationen.

Die Broschüre richtet sich an alle Betroffenen sowie Schul­leitungen und Mitglieder schulischer Teams für Beratung, Gewalt­prävention und Krisen­intervention. Opfer von Aggressionen oder Gewalt finden Hinweise zur akuten Hilfe­stellung und nachhaltigen Sicherheit.

Die Broschüre steht ab jetzt auf der Website der Bezirksregierung Münster zum Download zur Verfügung und wird in den nächsten Wochen auch in Papier­form an die Schulen des Regierungs­bezirks verschickt. Sie ist außerdem bei der Unfallkasse NRW und im Bildungs­portal des Schulministeriums NRW herunterzuladen.

Im Regierungsbezirk Münster gibt es 782 Schulen und insgesamt 27.228 Lehrkräfte.


Gesprächsteilnehmer an der Expertenrunde

An dem Gespräch nahmen teil:

  • Schulabteilungsleiter Wolfgang Weber, Bezirksregierung Münster
  • Angelika Dopp, Bezirksregierung Münster, Personaldezernentin für Haupt- und Realschulen, Generalistin für Arbeits- und Gesundheitsschutz für Lehrerinnen und Lehrer
  • Dr. Sascha Borchers, Schulpsychologe, Regionale Schulberatungsstelle Borken
  • Dr. Kordula Piontkowski, Fachärztin für Arbeitsmedizin, BAD GmbH
  • Ralf Rooseboom, Referent psychosoziale Gesundheit bei der Unfallkasse NRW
  • Dr. Gerrit Schnabel Leiter der Abteilung Schule bei der Unfallkasse NRW
  • Dietmar Schirrmacher, Polizeipräsidium Recklinghausen
  • Barbara Strumann, Lehrerin für Sonderpädagogik bei der Bezirksregierung Münster
  • Christel Rode, Lehrerin für Sonderpädagogik und Vertreterin des Personalrats für Förderschulen und Schulen für Kranke
  • Ulrike Döbler, Didaktische Leiterin der Ingeborg-von Drewitz- Gesamtschule Gladbeck

Ergebnisse aus den COPSOQ- und Forsa-Umfragen

COPSOQ-Umfragen

Zu den psychosozialen Belastungen im Lehrerberuf liegt nun erstmalig eine valide Basis vor, nachdem mit Hilfe der COPSOQ-Befragung (Copenhagen Psychosocial Questionnaire) Daten für die Gefährdungsbeurteilung „Psychosoziale Belastung“ erhoben werden konnten. Im Regierungsbezirk Münster erfolgte die Befragung Ende 2013. Rund 12.000 Lehrpersonen haben sich daran beteiligt. Als Haupthandlungsfelder wurden die Bereiche „Führung“, „Lärm- und Stimmbelastungen“, „Work-Privacy-Konflikt“ und „Verbale und körperliche Gewalt“ identifiziert.

forsa-Umfrage des VBE

In der vom VBE (Verband Bildung und Erziehung e. V.) in Auftrag gegebenen, repräsentativen forsa-Umfrage wurden zum Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte“ im Herbst 2016 bundesweit fast 2.000 Lehrkräfte befragt. Über die Hälfte der Befragten attestieren psychische Gewalt und über 20 Prozent körperliche Gewalt gegen Lehrkräfte an ihrer Schule. In den letzten fünf Jahren selbst betroffen von psychischer Gewalt waren 21 Prozent, körperliche Gewalt erlebten 6 Prozent.

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